Italienische Küstenstadt
»Italienische Küstenstadt« ist ein Werk von Johann Nepomuk Rauch aus dem Jahr nach 1841, ausgeführt als Öl auf Papier.
Im Jahr 1875 hatte das damalige Städelsche Kunstinstitut, das heutige Städel Museum in Frankfurt, eine bemerkenswerte Schenkung erhalten: Johann Nepomuk Rauch, Musiker und Konzertmeister in Frankfurt, hatte aus dem Nachlass seines gleichna… weiterlesen ›
Im Jahr 1875 hatte das damalige Städelsche Kunstinstitut, das heutige Städel Museum in Frankfurt, eine bemerkenswerte Schenkung erhalten: Johann Nepomuk Rauch, Musiker und Konzertmeister in Frankfurt, hatte aus dem Nachlass seines gleichnamigen Vaters sechzig Aquarelle und Ölstudien gestiftet, die vornehmlich aus dessen italienischer Zeit stammen. Der in Wien gebürtige Rauch war damals als Maler von Landschaften und Viehstücken bekannt, weshalb ein Großteil der Schenkung auch Ölstudien von Kühen und Schafen ausmachen, doch den eigentlichen Schatz dieser Sammlung bilden ganz eigen aufgefasste Landschaftsaquarelle aus Italien, wo sich Rauch seit 1841 aufhielt. Nach einer bewegten Zeit, die ihn nach seinem Studium in Wien zunächst nach Florenz und in die Schweiz, danach für zehn Jahre nach Moskau geführt hatte, ließ er sich 1841 in den wärmeren Gefilden Roms nieder, um jedoch sogleich nach Neapel aufzubrechen – 1841 entstandene Aquarelle belegen seinen Aufenthalt bereits in diesem Jahr in der Umgebung der campanischen Metropole. Auch unsere Ölstudie zeigt die Ansicht einer süditalienischen Stadt, doch ist ihre Identifizierung bisher auch deswegen nicht gelungen, weil es sich offensichtlich um keine reine Stadtansicht im traditionellen Sinne handelt. Das umgebende Gebirge erinnert zwar an die Berge um Salerno, doch kennt man aus anderen Darstellungen der Stadt – z. B. von Jakob Philipp Hackert – keine derart markante Silhouette mit den verschiedenen Türmen. Auch die unterschiedlichen Größenverhältnisse zwischen den in der Bucht ziehenden Segelbooten und den Bauten sind nicht dazu angebracht, von einer Aufnahme nach der Natur zu sprechen – zu groß sind die Boote geraten und man gewinnt angesichts solcher Unstimmigkeiten den Eindruck, dass es sich um eine Ansicht handelt, die auf die Erlebnisse des Südens zurückgeht. Es scheint, als sei die Frage nach der konkreten Topografie nachrangig; vielmehr hat Rauch aus der Erinnerung eine Vorstellung vom Süden imaginieren wollen. Der Blick über die Bucht, die seltsam eingespannt zwischen den Landzungen wirkt, geht von den begrünten Felsen im Vordergrund über die im Dunst der Sonne liegende Stadt bis zu den steil aufsteigenden, kargen Bergen, die im Licht der Abendsonne erstrahlen. Hier liegt die große Stärke des Malers: In der Schilderung von Atmosphäre, Wetter, Licht und Farbe erreicht Rauch einen Nuancenreichtum, der die ganze Landschaft zum Vibrieren bringt. In der Stadt steigt Rauch auf – es brennt offensichtlich –, die rötlichbraunen Mauern wechseln sich in ständigem Rhythmus mit dem fahlen Grün der Vegetation ab und alles ist von einer ungewöhnlich skizzenhaften, nahezu ruhelosen Pinselführung geprägt, die Anleihen an der Spontanität seiner eigenen Aquarelle nimmt. Nicht von ungefähr hat ein zeitgenössischer Kritiker anlässlich einiger in Rom ausgestellter Gemälde von Rauch angemerkt, dass seine „Auffassung genial und die Ausführung keck“ sei. Der Kritiker bemerkte allerdings auch eine gewisse Rastlosigkeit in seinen Gemälden – es sei, als fände das Auge „nicht genug Rast“ und „wird vielleicht zu sehr beunruhigt“. Und an anderer Stelle heißt es: „So schön auch Einzelnes ist, eine etwas unruhige Wirkung, die von dem Mangel an großen Massen und von der übermäßigen Vertheilung der Lichter herrühren dürfte.“ Tatsächlich findet auch auf unserer unvollendeten Skizze das Auge in den ineinander verschachtelten Häuserkuben, die sich bis auf die Anhöhe ausbreiten, kaum Halt und es herrscht ein Reichtum an Formen und Motiven, der damals zweifellos manche Sehgewohnheit überfordert haben dürfte, während uns heute ihre skizzenhafte Ausführung durch ihre Spontanität und flirrende Unmittelbarkeit direkt anspricht.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Öl
- Ausführung
- Öl auf Papier
- Jahr
- nach 1841
- Epoche
- Romantik
- Darstellung
- Stadtbilder
- Land
- Italien
- Signatur
- Verso von fremder Hand bezeichnet: "Skizze von der Hand des Malers Joh. Nepomuk Rauch, geb. 1802 zu Diessenhofen / in der Schweiz; er lebte lange in Moskau, dann in Rom, wo er 1847 starb an Tuberkulose / Viele s. Werke sind in Holland, v. a. im kgl.
- Provenienz
- Sammlung Adolf Stoll, Kassel.;
Maße
- Rahmen
- 40,7 cm x 54,9 cm
Weitere Angaben
- Provenienz
- Sammlung Adolf Stoll, Kassel.
Zustand
Guter Zustand. Altersgerecht, restauriert, leicht gebräunt, schwach beschmutzt, stellenweise minimale Ausbrüche.
Schlagworte
Johann Nepomuk Rauch
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