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Etwa von 540 v. Chr. bis 450 v. Chr. entstanden in Paestum drei große Tempel, die heute exemplarisch für den dorischen Baustil stehen. Poseidon-, Hera- und Athena-Tempel sind bis heute in beeindruckenden Ausmaßen erhalten und zeigen die wichtigsten Charakteristika der dorischen Säulenordnung. Auf schweren kannelierten Säulen, die ohne Basis auf dem gestuften Unterbau Stereobat stehen, liegt ein wulstig ausladender Echinus unter einer kantigen Deckplatte Abakus. Auf diesem lastet wiederum das Gebälk mit Triglyphenfries. Dieser kanonhafte Aufbau lässt sich vor allem an Bauten in Griechenland, wo diese Bauweise bis in das 7. Jahrhundert zurückzuverfolgen ist, beinahe streng nachvollziehen. Über die griechische Kolonisierung des Mittelmeerraumes gelangten die Architekturformen auch nach Italien.
Dort, wie auch in anderen griechischen Siedlungsgebieten, wurde etwas freier mit den über Jahrhunderte gleichbleibenden Proportionen der Tempelarchitektur umgegangen. Mit den Maßverhältnissen der Säulen wurde dabei ebenso experimentiert wie mit den Seitenverhältnissen der Tempelgrundrisse. Dieter Cöllen setzt mit diesem Modell folglich nicht nur den drei Tempeln in Paestum, von denen er hier jeweils eine Säule maßstäblich nebeneinanderstellt, ein gelungenes Denkmal, sondern weiterhin der empirischen Freude am Spiel mit der Architektur durch die italo-griechischen Kolonisten.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Ausführung
Korkmodell, Maßstab 1:50
Jahr
2018
Darstellung
Architektur
Signatur
auf der Unterseite signiert, bezeichnet und datiert

Maße

Werk
21 x 24,5 x 10 cm (Darstellung)

Zustand

Sehr guter Zustand, in originaler Holzkiste

Dieter Cöllen

1953 – 2024·Deutschland·20. Jahrhundert
Der gebürtige Kölner ist ausgebildeter Bauzeichner und hat in verschiedenen Architekturbüros Erfahrungen gesammelt, bis er 1985 ein eigenes Atelier für Architekturmodellbau gründete. Bald beschäftigte ihn die fast vergessene Kunst des Korkmodellbaus. Die Phelloplastik kam erstmals im 18. Jahrhundert in Italien auf und hatte von Beginn an die Ausformung detailgetreuer Nachbildungen von meist antiken Architekturen zum Inhalt. Die aufwendigen Korkmodelle galten bis ins 19. Jahrhundert als Statussymbole des höfischen Adels. Gerne wurden sie auch aus Reisen nach Italien mitgebracht und sowohl zu Studienzwecken als auch als Kunstobjekte geschätzt. Cöllen eignete sich diese komplexe Technik an und galt bis zu seinem Tod im Jahr 2024 als einziger praktizierender Künstler dieser Disziplin in Europa. Zahlreiche seiner Korkmodelle finden sich in internationalen Museumssammlungen, die er darüber hinaus in konservatorischen Fragen beriet.
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