An der Schlierach bei Miesbach
»An der Schlierach bei Miesbach« ist ein Werk von Georg Wiesend aus dem Jahr um 1860, ausgeführt als Aquarell auf Papier.
Schönes Naturstück mit Bachauwäldchen an der Schlierach. Die Aquarellszene zeigt eine idyllische Landschaft mit Bäumen, einem kleinen Bach und einem hölzernen Schuppen. Im Vordergrund fließt der Bach ruhig, gesäumt von üppigem Grün. Zwei gr… weiterlesen ›
Schönes Naturstück mit Bachauwäldchen an der Schlierach. Die Aquarellszene zeigt eine idyllische Landschaft mit Bäumen, einem kleinen Bach und einem hölzernen Schuppen. Im Vordergrund fließt der Bach ruhig, gesäumt von üppigem Grün. Zwei große, markante Bäume stehen neben einem schmalen Fußweg, der über eine kleine Brücke führt. Das Licht ist sanft und vermittelt einen friedlichen Nachmittag. Im Hintergrund erheben sich sanft die Berge, die in zarten Blautönen gehalten sind. Die Komposition ist gut ausbalanciert, mit einem harmonischen Zusammenspiel von Natur und Architektur. Die Farbpalette ist zurückhaltend, mit dominierenden Grün- und Blautönen, die die Ruhe der Natur unterstreichen.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
Zustand
Guter Zustand. Die Blattecken sind minimal bestoßen. Die Farbigkeit ist frisch erhalten.
Georg Wiesend
Nach seiner Ausbildung stand Wiesend zunächst zwischen der Entscheidung für eine Künstlerlaufbahn oder eine Beamtenkarriere. 1830 trat er schließlich in den bayerischen Staatsdienst ein und arbeitete fortan in verschiedenen Ämtern – unter anderem in Miesbach, Landshut, Tittmoning, Burghausen, Traunstein und Landau an der Isar. Parallel zu seiner juristischen Laufbahn blieb er künstlerisch aktiv. Besonders in den Jahren zwischen 1828 und 1835 stellte er regelmäßig Ölgemälde in der Akademie und im Kunstverein München aus, bevor er sich aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen zunehmend der Aquarellmalerei zuwandte.
Wiesend unternahm nahezu jährlich ausgedehnte Studienreisen, die ihn in die Alpenregionen, nach Tirol, Oberitalien, in die Schweiz und ins Salzkammergut führten. Dabei entstanden zahlreiche Aquarelle mit topographisch genauen Ansichten, die vor allem die Bergwelt, Wasserfälle und ländliche Motive festhalten. Seine Werke zeichnen sich durch eine detailreiche Naturbeobachtung und eine der spätromantischen Stimmung verpflichtete Bildsprache aus. Obwohl er zeitlebens künstlerisch aktiv blieb, wurde er von der Kunstgeschichte weitgehend vergessen.
Neben seiner Malerei zeigte Wiesend Interesse für Archäologie und Heimatpflege – er führte Grabungen durch, veröffentlichte seine Funde und engagierte sich für die Erhaltung historischer Denkmäler. Von Zeitgenossen wurde er als "Dilettant von ernstem, redlichem Streben" geschätzt – im Sinne eines kunstliebenden Laien mit hohem Anspruch.
Nach seinem Ruhestand 1879 lebte er in Berchtesgaden, wo er am 19. Juni 1881 starb. Sein künstlerisches Erbe umfasst mehrere hundert Studien und Aquarelle, von denen heute nur ein Bruchteil erhalten ist.
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