Steg mit Wanderer über Wildbach bei Ramsau
»Steg mit Wanderer über Wildbach bei Ramsau« ist ein Werk von Georg Wiesend aus dem Jahr 1873, ausgeführt als Aquarell auf Papier.
Auf einem schmalen Holzsteg überquert ein Mann mit Kiepe gemeinsam mit einem kleinen Hund einen tosenden Wildbach. Im Hintergrund hebt sich dunkelgrüner Nadelwald vor den hell leuchtenden Wolken und fernen Gipfeln ab. Das Bild zeigt eine id… weiterlesen ›
Auf einem schmalen Holzsteg überquert ein Mann mit Kiepe gemeinsam mit einem kleinen Hund einen tosenden Wildbach. Im Hintergrund hebt sich dunkelgrüner Nadelwald vor den hell leuchtenden Wolken und fernen Gipfeln ab. Das Bild zeigt eine idyllische Berglandschaft mit üppiger Vegetation und einem klaren Wasserfall, der von felsigen Klippen herabstürzt. Im Vordergrund fließt ein lebhafter Gebirgsbach, umgeben von moosbewachsenen Steinen und dichter Vegetation. Eine Holzbrücke führt über den Bach, auf der eine einsame Gestalt mit einem großen Rucksack zu sehen ist, die auf einem schmalen Pfad wandert. Im Hintergrund erhebt sich eine majestätische Bergkette, die in sanften Pastelltönen gehalten ist, was auf die frühe Morgen- oder späte Nachmittagssonne hindeutet. Der Himmel ist teils bewölkt, teils klar, und das Lichtspiel betont die natürlichen Details der Landschaft. Die Komposition zieht den Blick des Betrachters tief in das Bild hinein.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Aquarell
- Ausführung
- Aquarell auf Papier
- Jahr
- 1873
- Epoche
- Realismus
- Darstellung
- Landschaft
- Land
- Deutschland
- Signatur
- Unten rechts monogrammiert: "GW". Unten rechts datiert: "73".
Zustand
Akzeptabler Zustand. Im Himmel stellenweise blass fleckig und schwach verfärbt. In der linken unteren Ecke sowie entlang der linken Blattkante leicht sichtbare Flüssigkeitsschäden in Form einer leichten Verfärbung und minimaler Wellung. Links unten m
Georg Wiesend
Nach seiner Ausbildung stand Wiesend zunächst zwischen der Entscheidung für eine Künstlerlaufbahn oder eine Beamtenkarriere. 1830 trat er schließlich in den bayerischen Staatsdienst ein und arbeitete fortan in verschiedenen Ämtern – unter anderem in Miesbach, Landshut, Tittmoning, Burghausen, Traunstein und Landau an der Isar. Parallel zu seiner juristischen Laufbahn blieb er künstlerisch aktiv. Besonders in den Jahren zwischen 1828 und 1835 stellte er regelmäßig Ölgemälde in der Akademie und im Kunstverein München aus, bevor er sich aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen zunehmend der Aquarellmalerei zuwandte.
Wiesend unternahm nahezu jährlich ausgedehnte Studienreisen, die ihn in die Alpenregionen, nach Tirol, Oberitalien, in die Schweiz und ins Salzkammergut führten. Dabei entstanden zahlreiche Aquarelle mit topographisch genauen Ansichten, die vor allem die Bergwelt, Wasserfälle und ländliche Motive festhalten. Seine Werke zeichnen sich durch eine detailreiche Naturbeobachtung und eine der spätromantischen Stimmung verpflichtete Bildsprache aus. Obwohl er zeitlebens künstlerisch aktiv blieb, wurde er von der Kunstgeschichte weitgehend vergessen.
Neben seiner Malerei zeigte Wiesend Interesse für Archäologie und Heimatpflege – er führte Grabungen durch, veröffentlichte seine Funde und engagierte sich für die Erhaltung historischer Denkmäler. Von Zeitgenossen wurde er als "Dilettant von ernstem, redlichem Streben" geschätzt – im Sinne eines kunstliebenden Laien mit hohem Anspruch.
Nach seinem Ruhestand 1879 lebte er in Berchtesgaden, wo er am 19. Juni 1881 starb. Sein künstlerisches Erbe umfasst mehrere hundert Studien und Aquarelle, von denen heute nur ein Bruchteil erhalten ist.
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