Talbachklamm bei Schladming
»Talbachklamm bei Schladming« ist ein Werk von Georg Wiesend aus dem Jahr 1878, ausgeführt als Aquarell über Bleistift auf Papier.
Imposante Stromschnellen am Ausgang der Talbachklamm bei Schladming. An den Ufern sind einige Tirolerhöfe zu sehen. Das Aquarell zeigt eine idyllische alpine Landschaft mit einem rauschenden Bach, der sich durch eine felsige Umgebung schlän… weiterlesen ›
Imposante Stromschnellen am Ausgang der Talbachklamm bei Schladming. An den Ufern sind einige Tirolerhöfe zu sehen. Das Aquarell zeigt eine idyllische alpine Landschaft mit einem rauschenden Bach, der sich durch eine felsige Umgebung schlängelt. Im Vordergrund stürzt das Wasser in mehreren Kaskaden über die Felsen, umgeben von üppigem Grün und Bäumen, die die Szenerie einrahmen. Links sind traditionelle Holzchalets sichtbar, die auf einer Anhöhe thronen und zur ländlichen Atmosphäre beitragen. Im Hintergrund ragen sanft bewaldete Hügel empor, die durch zarte Farbverläufe angedeutet sind. Die Komposition führt den Blick des Betrachters von den Details der Architektur zu den natürlichen Elementen, während das Licht sanft über die Landschaft spielt und eine friedliche Stimmung erzeugt. Die detaillierte Ausarbeitung der Vegetation und der Wasserbewegung verleiht dem Bild Lebendigkeit.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
Zustand
Guter Zustand. Entlang der Kanten und in den Ecken stellenweise leicht bestoßen. Oben rechts deutlich fleckig. Entlang der linken Blattkante unten einzelne kurze Randeinrisse.
Georg Wiesend
Nach seiner Ausbildung stand Wiesend zunächst zwischen der Entscheidung für eine Künstlerlaufbahn oder eine Beamtenkarriere. 1830 trat er schließlich in den bayerischen Staatsdienst ein und arbeitete fortan in verschiedenen Ämtern – unter anderem in Miesbach, Landshut, Tittmoning, Burghausen, Traunstein und Landau an der Isar. Parallel zu seiner juristischen Laufbahn blieb er künstlerisch aktiv. Besonders in den Jahren zwischen 1828 und 1835 stellte er regelmäßig Ölgemälde in der Akademie und im Kunstverein München aus, bevor er sich aufgrund seiner beruflichen Verpflichtungen zunehmend der Aquarellmalerei zuwandte.
Wiesend unternahm nahezu jährlich ausgedehnte Studienreisen, die ihn in die Alpenregionen, nach Tirol, Oberitalien, in die Schweiz und ins Salzkammergut führten. Dabei entstanden zahlreiche Aquarelle mit topographisch genauen Ansichten, die vor allem die Bergwelt, Wasserfälle und ländliche Motive festhalten. Seine Werke zeichnen sich durch eine detailreiche Naturbeobachtung und eine der spätromantischen Stimmung verpflichtete Bildsprache aus. Obwohl er zeitlebens künstlerisch aktiv blieb, wurde er von der Kunstgeschichte weitgehend vergessen.
Neben seiner Malerei zeigte Wiesend Interesse für Archäologie und Heimatpflege – er führte Grabungen durch, veröffentlichte seine Funde und engagierte sich für die Erhaltung historischer Denkmäler. Von Zeitgenossen wurde er als "Dilettant von ernstem, redlichem Streben" geschätzt – im Sinne eines kunstliebenden Laien mit hohem Anspruch.
Nach seinem Ruhestand 1879 lebte er in Berchtesgaden, wo er am 19. Juni 1881 starb. Sein künstlerisches Erbe umfasst mehrere hundert Studien und Aquarelle, von denen heute nur ein Bruchteil erhalten ist.
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