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Im Jahr 1867 erwarb das British Museum in London siebzig Radierungen des Holländers Remy van Haanen, der zuvor zwei Jahre in London tätig gewesen war. Van Haanen war damals ein in ganz Europa allseits anerkannter Maler, der sich nach Jahren der Wanderschaft in Deutschland und der Schweiz 1837 in Wien niedergelassen hatte. Dort war er vor allem als Maler von Winterlandschaften bekannt, die in ganz Europa begehrt waren und ihm in der Folge Einladungen unter anderem nach Oberitalien, St. Petersburg und London einbrachten. Unter den vom British Museum erworbenen Drucken befinden sich neben ausgeprägten Landschaftskompositionen auch Radierungen mit Bäumen wie Eichen oder Weiden, die van Haanen in ihrer ganzen knorrigen Individualität zeigt, die sie ihrer Existenz über Generationen verdanken. Diese gilt auch für einige Aquarelle mit zumeist abgestorbenen Baumstämmen, doch kaum hat van Haanen den Ausschnitt jemals so eng gefasst wie auf unserer reizvollen Studie eines Baumstammes aus seinem Nachlass. Diagonal ins Bild gesetzt, ist der Baumstamm abgeschnitten, gleichsam in den Ecken verspannt – in einer nahsichtigen Ausschnitthaftigkeit, die noch dadurch gesteigert wird, dass van Haanen nur den bemoosten Grund malerisch gestaltet, der in das unbestimmte Dunkel des Waldes überführt. Unsere Studie hebt sich ab von der Feinmalerei voller Details und erzählerischer Anekdoten, mit denen van Haanen in seinen damals gerühmten Winterlandschaften in Wien bereits zur Jahrhundertmitte erfolgreich war und mit denen er sich als Nachfolger und Erneuerer einer seit Jahrhunderten in Holland gepflegten Tradition zu erkennen gibt. Hiervon unterscheidet sich unsere Studie durch einen freieren, der unmittelbaren Naturbeobachtung verdankten malerischen Ausführung, die von Zeitgenossen bisweilen kritisch angemerkt wurde – van Haanen zeige „oft aber auch eine zu schwungvolle Freiheit des Vortrags“. Van Haanen soll solche Studien, vor allem im Bakonyer Wald in Ungarn, betrieben haben, doch ob darunter auch Baumstudien waren, ist unbekannt; am nächsten steht unserer Studie eine malerisch ähnlich behandelte Ansicht eines Waldes mit einem abgesägten Baumstamm, die 1843 entstanden ist. Unsere Studie, die auch aus dem Prater in Wien stammen könnte, dürfte allerdings etwas später entstanden sein, denn sie zeigt bereits Einflüsse, die die Kenntnis der österreichischen Freilichtmalerei von Friedrich Gauermann und seines Kreises verraten.

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Künstler
Remigius Adrianus van Haanen (1812 Oosterhout - 1894 Aussee)
Technik
Öl
Ausführung
Öl auf Papier
Jahr
19. Jahrhundert
Epoche
Romantik
Darstellung
Natur
Signatur
Unten rechts signiert "R AHa[..]".

Maße

Gesamt
25,2 cm x 29,2 cm
Rahmen
45,3 cm x 53,5 cm

Zustand

Guter Zustand.

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