Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen

\"Kann man sich als Zeichner gegen Ende unseres Jahrhunderts einer deutschen Metropole wie Frankfurt am Main mit derselben Unbefangenheit nähern wie einer alten italienischen Stadt - nehmen wir als Beispiel Bologna? Vor Jahren haben mich nämlich die Erinnerungsräume der oberitalienischen Städte in ihren Bann gezogen. Ich habe versucht, im Medium der Zeichnung etwas von dieser Faszination zu vermitteln und diese Arbeitsfolge \"Schauplätze\" genannt, um auf das Wirklichkeitstheater anzuspielen, das uns immer noch in den alten italienischen Stadtkernen in seinen Bann zieht. Aber die große Stadt am Main mit ihren Beschädigungen, ihren Kontrasten und einem nicht enden wollenden Boom, der sich in den weithin sichtbaren gewaltigen Baukränen zu erkennen gibt? Kann ich als Zeichner hier Motive entdecken, die meine Phantasie herausfordern, kann ich hier überhaupt die Ruhe zur Konzentration finden, um im Medium der Zeichnung Dinge zum Sprechen zu bringen, ohne auf die Illustration sattsam bekannter Sehenswürdigkeiten auszuweichen? Ich muss gestehen: manchesmal war ich, auf einem Hocker am Rande einer vielbefahrenen Straße, umtost vom Verkehr sitzend, mir der Absurdität meines Unterfangens bewusst. Und doch: Je mehr ich mich im Verlaufe dieser fast zwei Jahre in immer neuen Ansätzen auf diese Stadt einließ, umso vielschichtiger, auch geheimnisvoller wurde sie mir. Es wurde mir immer mehr bewusst, wieviel von seiner Geschichte auch das moderne Frankfurt bewahrt hat. Im Unterschied zu den oben zitierten italienischen Städten ist in dieser Stadt die Historie allerdings nur noch in Fragmenten greifbar, die manchmal nur nach einigem Recherchieren aufzufinden sind. Aber es liegt für mich ein großer Reiz darin, im Detail Vergangenheit herbeizuzitieren, dabei die Phantasie herauszufordern und im Einzelding die Spur des Menschen sichtbar zu machen. Auch meine ich, dass dafür die Sprachmittel der Zeichnung immer noch besonders geeignet sind. Ich nenne meine Frankfurter Folge \"Fundstücke\", um das Fragmentarische, das subjektiv Gebrochene dieser Sammlung zu betonen. Dabei ist mir bewusst, dass der Kenner der Stadt vieles vermissen wird, was ihm in diesem Zusammenhange wichtig wäre. Aber möglicherweise wird er doch etwas von der Neugierde spüren, mit der ich durch die Stadt und ihre Sammlungen gewandert bin. Vielleicht wird sich die Freude mitteilen, z. B. über den Fund eines alten Geldbeutels, den ich im April '91 in einer Ausstellung über die Frankfurter Messe sah, oder über das Uhrtürmchen, das ich auf einem Spaziergang zum Zoo am 22. 5. 1990 als kleine Überraschung entdeckte. Ich hoffe auch, dass das in Szene gesetzte Schopenhauer-Sofa, beobachtet im Schopenhauer-Archiv, an diesen Philosophen zu erinnern vermag, der in meiner Vorstellung mit dem Frankfurt des 19. Jahrhunderts, auch im Kontrast zur Vitalität der Handelsstadt, so eng verbunden ist. Wie ich überhaupt festgestellt habe, dass das Frankfurt des 19. Jahrhunderts immer noch an vielen Stellen präsent ist und das Gesicht der Stadt - zwischen ihren Verwaltungshochhäusern - prägt. Schließlich noch eine Anmerkung zu dem alten Reisekoffer mit dem Aufkleber \"Frankfurter Hof\" aus den 30er Jahren: Diesen Fund machte ich in meinem eigenen Keller in Essen, und ich habe ihn in das Skizzenbuch hineingezeichnet, auch als Aufforderung an den Betrachter, mit seiner eigenen Phantasie die Reise in Erinnerungsräume anzutreten.\" (Rolf Escher, aus: Frankfurter Fundstücke. Skizzenbuch 1990-1991, Frankfurt am Main 1991, Umschlag).

Werkangaben

Werkbeschreibung und Zuschreibung: , Frankfurt am Main

Technik
Bleistift
Ausführung
Bleistift auf Papier
Jahr
1990
Signatur
unten links signiert: "Rolf Escher", unten rechts bezeichnet und datiert: "Häusereingang mit verglastem Vordach Westend (Barckhausstr.) 31.7.90"
Serie
Frankfurter Fundstücke

Maße

Werk
31,7 x 23,9 cm

Zustand

Sehr guter Originalzustand.

Rolf Escher

1936·Deutschland·20. Jahrhundert
1936 in Hagen geboren, besuchte Rolf Escher die Kunstakademie Düsseldorf und gründete früh sein erstes Atelier. Die Eröffnung einer florierenden Radierwerkstatt 1968 in Essen-Stadtwald, machte ihn in der Folge zu einem Meister der Radierung. Die Vielzahl von nationalen und internationalen Auszeichnungen zeugen von seiner Anerkennung. Der Erfolg seiner Druck- und Zeichenkunst fand auch in etlichen Ausstellungen, beispielsweise in der Bibliothèque Royale Albert I. in Brüssel, dem Art Institute of Chicago und dem Museum Folkwang in Essen seinen Niederschlag. Bis ins Jahr 2000 gab der Künstler im Rahmen von Lehrtätigkeiten sein Wissen weiter, seither widmet er sich einzig der Kunstschöpfung. In Eschers Werken domnieren Orte und Gegenstände, die von menschlichem Einwirken berichten oder daran erinnern, jedoch zumeist ohne den Menschen physisch darszustellen. Die Räume und Requisiten erzählen selbst über die dortigen Geschehnisse und den Lauf der Geschichte.
Alle Werke von Rolf Escher ansehen ›

Weitere Werke von Rolf Escher

Mehr aus der Werkgruppe

Aus derselben Ausstellung

Ähnliche Werke

Höchste Qualität
Bei uns erwerben Sie nur Originale aus der
angegebenen Zeit, keine Kopien oder
Reproduktionen!
Besonderer Schutz
Alle Kunstwerke auf Papier sind durch ein
spezielles Klapp-Passepartout aus Karton nach
Museumsstandard geschützt!
Ein Monat Rückgaberecht
Alle Ihre Einkäufe können Sie innerhalb eines
Monats kostenlos zurückgeben!
Schneller Versand
Alle unsere Kunstwerke und Bücher sind vorrätig und werden innerhalb von einem Tag nach Ihrer Bestellung verschickt!