Lausitzer Landschaft
»Lausitzer Landschaft« ist ein Werk von Christoph Nathe aus dem Jahr 1783, ausgeführt als Tusche auf Papier.
Im Jahr 1783 unternahm Christoph Nathe eine ausgedehnte, zweieinhalb Monate dauernde Reise durch den Harz und Thüringen. (1) Er wurde von Adolf Traugott von Gersdorf begleitet, mit dem er später gemeinsam in dessen Physikalischem Kabinett w… weiterlesen ›
Im Jahr 1783 unternahm Christoph Nathe eine ausgedehnte, zweieinhalb Monate dauernde Reise durch den Harz und Thüringen. (1) Er wurde von Adolf Traugott von Gersdorf begleitet, mit dem er später gemeinsam in dessen Physikalischem Kabinett wissenschaftliche Untersuchungen durchführen sollte und für den Nathe nach Beendigung der Reise mehrere großformatige und durchgearbeitete Blätter ausführte, die Stationen ihrer Reise zeigen. Unser Blatt steht jenen Werken nahe (2), wird aber wohl bereits auf Bestellung Gottfried Wincklers (1731-1795) entstanden sein, in dessen Sammlung es sich einst befand. Er war ein Leipziger Rats- und Bankherr, der ein umfangreiches Zeichnungs- und Gemäldekabinett besaß, das er Künstlern wie Adam Friedrich Oeser oder auch Nathe zugänglich machte und so die Möglichkeit bot, die Werke alter Meister zu studieren. (3) Daneben sammelte er auch die Arbeiten zeitgenössischer Künstler. Unser großformatiges und bildmäßig durchgearbeitetes Blatt ging dann in die umfangreiche Zeichnungssammlung des Kopenhagener Museumsdirektors Johan Conrad Spengler (1767-1839) über. In dem Versteigerungskatalog seines Nachlasses von 1839 ist dieses Blatt unter Nr. 909 verzeichnet und als \"Paysage aux environs de Lauszitz\" bezeichnet. (4) Von besonderem Reiz ist in diesem Blatt die überaus fein differenzierte Aquarellierung, die in verschiedenen Abschattungen von Grün, Gelb und Braun in ein leichtes Blau hineinspielt, das sich gerade im Bereich des Himmels bis hin zum eigentlichen Papierton verflüchtigt. So entsteht ein sanfter Zusammenklang, der alle Elemente aneinander bindet und umschließt. Nathes charakteristischer Zeichenstil trägt dabei zu einer perfektionierten Tiefenwirkung bei: Im Vordergrund dominieren grob und breit gesetzte Striche, verdichtet zu flächigen Bündeln, um sich dann im Hintergrund in immer feinere Strichlagen aufzulösen. Dadurch entsteht eine Fokussierung auf die Ferne, die im Vordergrund lediglich den Beginn einer Augenwanderung über das Blatt markiert. Dennoch ist es erstaunlich zu sehen, wie viel Wert Nathe auf die Ausgestaltung gerade jenes eigentlich beim Betrachten nur transitorisch zu verstehenden Teils der Darstellung legt. Der aufgeweichte Untergrund des kleinen Weges im Vordergrund wird durch wenige, geschwungene Kürzel und die eingegrabenen Radfurchen treffend charakterisiert. Der Grasbewuchs der Hügel wird zwar im Ganzen summarisch wiedergegeben, dennoch findet sich eine Variationsbreite, die diesem eigentlich unscheinbaren Stück Land Charakter verleiht. Hierin zeigt sich Nathes wissenschaftlich geübter Blick für Details, den er selbst in solchen Blättern, die auf die Überschau angelegt sind, nicht vergisst. Seiner Zeit darin voraus, wird bei ihm das Unscheinbare nicht vergessen oder zu bloßem Beiwerk degradiert, sondern erhält durch seine Lust am Sehen eine eigene Berechtigung. Somit bietet das vorliegende Blatt selbst einen hervorragenden Überblick über Nathes differenzierten Umgang mit den zeichnerischen Möglichkeiten und enthält 'in nuce' sein ganzen Können, mit dem er einen ganz eigenen Blick auf die Landschaft zu gestalten verstand. |af|--- (1) Fröhlich 2008, S. 64-67. (2) Vgl. besonders ebd., Wvz Nr. Z335 und Z356, S. 276. (3) Vgl. hierzu ebd., S. 46. (4) Bianco Luno, Catalogue du cabinet de [..] Johan Conrad Spengler [..], Kopenhagen 1839, S. 104, Nr. 909. |
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Tusche
- Ausführung
- Tusche auf Papier
- Jahr
- 1783
- Epoche
- Romantik
- Darstellung
- Landschaft
- Land
- Deutschland
- Signatur
- Unten links signiert: "Nathe fec.". Unten links datiert: "1783".
- Wasserzeichen
- Buchstaben/Ziffern - mehr als drei Buchstaben (Worte/Namen) - C & I Honig - Datierung 18. Jahrhundert
- Stempel
- Unten mittig Blindstempel, Lugt Nr. 1434. Johan Conrad Spengler (1767 Kopenhagen - 1838 Kopenhagen) . 18. JahrhundertVerso Sammlerstempel, Lugt Nr. 786. Unbekannt/Nicht identifiziert. Zeichen "Dr. AR im Kreis". 19. Jahrhundert
- Werkverzeichnis
- Catalogue du cabinet de [..] Johan Conrad Spengler. Première Partie; Kopenhagen 1839; S. 104; Kat. Nr. 909.
- Provenienz
- Gottfried Winckler (1731 Leipzig - 1795 Leipzig) Johan Conrad Spengler (1767 Kopenhagen - 1838 Kopenhagen). Verkauf Catalogue du cabinet de [...] Johan Conrad Spengler, Lot 909; 1839.;
Weitere Angaben
- Wasserzeichen
- Buchstaben/Ziffern: C & I Honig | Datierung: 18. Jahrhundert
- Stempel
- – Unten mittig Blindstempel, Lugt Nr.: 1434. Johan Conrad Spengler (1767 Kopenhagen - 1838 Kopenhagen) . 18. Jahrhundert – Verso Sammlerstempel, Lugt Nr.: 786. Unbekannt/Nicht identifiziert. Zeichen: \"Dr. AR im Kreis\". 19. Jahrhundert
- Provenienz
- – Gottfried Winckler (1731 Leipzig - 1795 Leipzig) – Johan Conrad Spengler (1767 Kopenhagen - 1838 Kopenhagen) . Verkauf: Catalogue du cabinet de [...] Johan Conrad Spengler, Lot 909; 1839.
- Literatur
- Catalogue du cabinet de [..] Johan Conrad Spengler. Première Partie; Kopenhagen 1839; S. 104; Kat. Nr. 909.
Zustand
Sehr guter Zustand. Zwei kleine restaurierte Beschädigungen an den Ecken oben links und rechts. Sonst tadellos und frisch.
Schlagworte
Christoph Nathe
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