Psyche am Brunnen
»Psyche am Brunnen« ist ein Werk von Eduard Bitterlich aus dem Jahr um 1850, ausgeführt als Aquarell auf Papier, aufgezogen auf Pappe.
Der 1833 in Stupnicka (Galizien) geborene Eduard Bitterlich zählt sicherlich zu den hervorragendsten österreichischen Zeichnern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach einer Ausbildung an der Wiener Akademie und zweijährigem Studienau… weiterlesen ›
Der 1833 in Stupnicka (Galizien) geborene Eduard Bitterlich zählt sicherlich zu den hervorragendsten österreichischen Zeichnern der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nach einer Ausbildung an der Wiener Akademie und zweijährigem Studienaufenthalt in Venedig trat er in das Atelier des bedeutenden Historienmalers Carl Rahl ein, in dessen arbeitsteilig organisiertem Werkstattverband er vor allem für die Reinzeichnung der Rahlschen Kompositionen verantwortlich war. Die im Archiv der Wiener Akademie befindlichen biographischen Aufzeichnungen zu Eduard Bitterlich von der Hand seines Sohnes Rudolf geben einen Einblick in Bitterlichs vielseitige Tätigkeit. Dort ist auch das Thema eines Psyche-Zyklus erwähnt (\"3 Bilder i. Öl übermaltes Aquarell\"), die er im Rahmen der Ausstattung für das Palais Gutmann in Wien anfertigte (\"Fein durchgeführte Aquarelle für die Bilder zu den Gutmann Interieurs\"). Im Anschluss an den Psyche-Zyklus sind noch vier Plafondbilder für das Zimmer der Frau von Gutmann mit den \"Frauentugenden\" exemplifizierenden antiken Historien zu Cornelia, Penelope, Baucis und Antigone erwähnt. Vorliegendes Aquarell einer an den Brunnen gelehnten Psychefigur, die nach der traditionellen Ikonographie mit Schmetterlingsflügeln dargestellt ist, steht mit großer Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit diesem Ausstattungsprojekt für das Palais Gutmann in Wien. Besonders reizvoll erscheint die flüchtig lasierende Aquarelltechnik, die etwa den durchsichtigen Schleier der spärlichen Bekleidung Psyches gut zur Geltung bringt. Dieser bildet in seinem leuchtenden Orange auch einen wirkungsvollen farbigen Akzent in der sonst eher tonig grün-blauen Palette. In den griechischen Lettern seiner Signatur betont Bitterlich seine Verbundenheit mit altgriechischer Kultur und altgriechischem Mythos, der vor allem im Späthistorismus in vielschichtigen Anspielungen und inhaltlichen Konnotationen aufgegriffen wurde. Die häufig dargestellte antike Historie folgt den Metamorphosen des Lucius Apuleius; Amor und Psyche, die die körperliche Liebe und die menschliche Seele versinnbildlichen, finden trotz zahlreicher Intrigen der auf die schöne Psyche eifersüchtigen Venus schließlich zueinander. Hier ist wohl der Beginn der Fabel mit dem sich Psyche in einer Wolke nahenden Ungeheuer dargestellt, das diese auf Geheiß der eifersüchtigen Venus ehelichen sollte. Anstelle des Dämons nähert sich ihr jedoch Zephyr, der sie im Auftrag des in Liebe entflammten Amors in dessen Schloss bringt. Die Geschichte von Amor und Psyche wurde in der abendländischen Kunst in Malerei, Zeichnung und Skulptur immer wieder illustriert. Zu den berühmtesten Verbildlichungen zählen Raffaels Fresken in der Villa Farnesina in Rom, die von zahlreichen Künstlern studiert und paraphrasiert wurden. Auch Bitterlich reflektiert in seiner idealtypischen Psychefigur das raffaelische Vorbild der Hochrenaissance. In den von Bitterlich gezeichneten Kartons für das Palais Epstein in Wien, die sich als ein Höhepunkt der Kartonkunst des Historismus im Wiener Kupferstichkabinett befinden, kommt das Thema mit Amor und Psyche ebenfalls vor; dort ist mit der Hochzeit von Amor und Psyche das glückliche Ende der Historie illustriert.
Werkangaben
Werkbeschreibung und Zuschreibung: H. W. Fichter Kunsthandel, Frankfurt am Main
- Technik
- Aquarell
- Ausführung
- Aquarell auf Papier, aufgezogen auf Pappe
- Jahr
- um 1850
- Epoche
- Romantik
- Darstellung
- Mythologie
- Land
- Deutschland
- Signatur
- Unten rechts signiert: "Eduard Bitterlich.".
Zustand
Sehr guter Zustand. Das Aquarell mit einer Art Firnis überzogen.
Schlagworte
Eduard Bitterlich
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